Mit einer bewegenden Gedenkstunde wurde an der Angrüner-Mittelschule erneut das „Feliks-Haberko-Denkmal“ enthüllt. Drei Jahre nach seiner vorübergehenden Entfernung aufgrund des Neu- und Umbaus der Schule hat die Stele nun wieder ihren festen Platz gefunden und erinnert eindrucksvoll an das Schicksal des polnischen Zwangsarbeiters Feliks Haberko.
Rektor Heiner Bruckmüller und Konrektorin Ursula Lehle-Schönauer begrüßten zahlreiche Gäste, darunter viele Beteiligte der „ersten Stunde“ des Denkmals sowie heutige Schülerinnen und Schüler. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde vom Angrüner Quartett mit Iva und Alex. Besonders berührend war dabei die Darbietung des Liedes „Von guten Mächten wunderbar geborgen“, das der Veranstaltung einen würdevollen und nachdenklichen Rahmen verlieh.
Landrat Christian Nerb, Erster Bürgermeister Dr. Benedikt Grünewald und Schulrätin Brigitte Schönhofer-Bohrer richteten eindringliche Grußworte an die Anwesenden. Sie mahnten dazu, Erinnerung lebendig zu halten, Verantwortung zu übernehmen und sich für Menschlichkeit, Demokratie und Solidarität einzusetzen. Der Journalist und Autor Thomas Muggenthaler sprach über das Schicksal polnischer Zwangsarbeiter während der NS-Zeit und die Hintergründe seines Buches „Verbrechen Liebe“.
Im Nationalsozialismus konnte selbst Liebe oder Mitmenschlichkeit zum Verbrechen erklärt werden. Beziehungen zwischen Zwangsarbeitern und deutschen Frauen wurden brutal verfolgt. Viele Männer wurden ohne Gerichtsverfahren hingerichtet, Frauen deportiert. Oft genügte bereits ein Verdacht oder eine Denunziation.
Die Geschichte von Feliks Haberko wurde in Bad Abbach jahrzehntelang verdrängt. Erst durch die Recherchen von Thomas Muggenthaler rückte sein Schicksal wieder ins öffentliche Bewusstsein. Feliks Haberko, ein junger polnischer Schuhmacher, wurde am 16. Oktober 1942 um 10.05 Uhr in Bad Abbach hingerichtet. Ihm wurde „verbotener Umgang“ vorgeworfen – Beweise dafür gab es nie.
Den Anstoß zur intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema gab im Jahr 2016 eine Filmvorführung von „Verbrechen Liebe“ an der Angrüner-Mittelschule. Schülerinnen und Schüler begannen daraufhin, selbst zu recherchieren und sich mit dem Schicksal von Feliks Haberko auseinanderzusetzen. Sie besuchten unter anderem das Konzentrationslager Flossenbürg und den dortigen Steinbruch, in dem Haberko unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten musste.
Aus diesem Engagement entstand der Wunsch, ein würdiges Denkmal zu schaffen. Mit Unterstützung der Angrüner Stiftung, des Künstlers Hans Prüll sowie des ehemaligen Lehrers Josef Sedlmeier entstand eine eindrucksvolle Stele aus Granit aus dem Flossenbürger Steinbruch. Die 100 handgeschmiedeten Schusternägel am oberen Abschluss symbolisieren den Beruf des jungen Mannes.
Bereits am 17. Oktober 2017 – exakt 75 Jahre nach seiner Hinrichtung – wurde das Denkmal erstmals enthüllt. Seitdem hält die Angrüner-Mittelschule das Andenken an Feliks Haberko lebendig und setzt damit ein sichtbares Zeichen gegen das Vergessen.
Besonders bewegend war bei der diesjährigen Gedenkstunde die Schilderung von Gertrud Hackelsperger. Sie berichtete, dass Feliks Haberko ihrer kleinen Schwester einst lediglich geholfen habe, die heruntergerutschte Hose hochzuziehen, nachdem das Gummiband gerissen war. Seine Hilfsbereitschaft könnte ihm letztlich zum Verhängnis geworden sein. Ihre Worte machten deutlich, wie schnell Menschen damals Opfer von Denunziation und Fremdenhass wurden.
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig Erinnerungskultur gerade an Schulen ist. Geschichte braucht Gesichter und Namen – nur so bleibt sie lebendig. Die Angrüner-Mittelschule trägt nicht umsonst den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.
Möge das Denkmal weiterhin dazu beitragen, Erinnerung zu bewahren, Verständnis zu fördern und unsere demokratischen Werte zu schützen. Denn: Nie wieder ist jetzt.
(Artikel: M. Wahode - abgeändert von Kreidl Fotos: Wahode, Hackelsperger-Bloos)
Made by Miriam Hackelsperger-Bloos